Werbemillionen für Werbeminuten in der Abwärtsspirale

Leitmedium a.D. Fernsehen auf dem Abfallcontainer Wenn der Zuschauer mit seiner Aufmerksamkeit bezahlt, das ehemalige Leitmedium aber keine mehr genießt, dann ist das schlecht für das Geschäft mit der Werbung. Denn wenn sich die ohnehin nur mit einigen zugedrückten Augen als “seriös” messbare Einschaltquote durch immer extremere Formate und Milchmädchenrechnungen zur tatsächlichen Zuschauerzahl schön gerechnet werden, steht eines fest: Die vier Stunden täglichen Fernsehkonsums, den jeder Bürger jeher aufbringt, die seit zwei Jahrzehnten wachsende Onlinezeit, und die immer raffiniertere Oninewerbung machen die klassische Werbung kaputt. Taschenspielertricks wie subtile Werbung innerhalb selbst produzierter Sendungen – das Brillengestell des Anchroman der “News” genannten “Nachrichten” beispielsweise, oder textuell, grafisch oder sonstwie total ausgefeilte Printwerbung ist in seiner Wirkung schlicht nur bedingt messbar. Wer sich im Laden für das Brillenmodell entscheidet, den könnte der Filialist natürlich fragen, oder es wird ein Wirkungszeitraum bemessen, während dessen der Zugewinn an Abverkäufen dieser oder solcher Werbemaßnahme zugerechnet wird. Aber all das, und so funktioniert es jeher, ist reinstes Voodoo, in gleichen Teilen als Beruhigungspillen an die Produzenten wie beim Werber verteilt, und die bittere Pille schluckt derjenige Konzern, dessen überkommene Strukturen (“mittleres Management”) das in immer wertiger ausgearbeiteten Präsentationen inzwischen per Beamer an die Wände der Meetingräume wirft. Wann man diejenigen rauswirft, ist nur noch eine Frage der Zeit, denn wie schon gesagt: Messbar ist all das nicht. Mittelbar höchstens. Es drängt sich eine Parallele auf, von einer Blase jüngeren Datums. Ende der letzten Dekade wurden viele wertlose Werte in Büchern heute meist noch viel wertloser und/oder von Staats am System-relevanten Leben erhalten. Es ist als ruhten mit den Werbeminuten zwischen all dem unwürdigen Müll, den vor allem das Privatfernsehen Tag für Tag produziert eine Menge wertloser Assets, für die noch immer Betriebswirte bereit sind ihren Betrieben die Investition in sie nah zu legen. Es scheint aber weiterhin so, das sich das Blatt wendet: Die Abwärtsspirale der Preise für Werbeminuten kann man sogar live mitverfolgen, selbst wenn man keinen privilegierten Kundenzugang zur Buchung von Werbeplätzen hat. Bei einem Vermarkter ist der am häufigsten wiederholte Satz der “News” zur Vermarktung etwa »Um Ihnen auch weiterhin ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten zu können, nehmen wir ab dem <Datum> bei einigen Formaten gezielte Preisanpassungen vor.« Inzwischen lädt der selbe Vermarkter zum “9. TV-Wi rkungstag mit Top-Referenten”, wo bei einem Imbiss genau die Problematik beraten wird. Man ist sich des Umstands also bewusst, man versammelt sich in klassischer Weise zu einem wie auch immer ausgestalteten Kongress, berät und beruhigt also Auge in Auge. Auch das ist Wesensmerkmal der alten Ökonomie: “Besser man sieht sich, besser man telefoniert.” Was das Reisebudget und die Kostenstelle hergibt, so lang es sie noch hergibt. Bis die Blase platzt.

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