Peter Tauber rettet Die Welt

»Löst Empörung Probleme?« fragt Peter Tauber in einem in Die Welt erschienenen Interview allen Ernstes zurück, als er sich nach über einem Jahr Nichtstun immer noch dem Vorwurf totaler Untätigkeit ausgesetzt sieht. Und das nicht mal eben von der Opposition, sondern ausgerechnet von den Hofberichterstattern von BILT Man möchte entrüstet antworten: »Nein, Lösungen lösen Probleme, Arschloch!«, aber plötzlich fühlt man sich an Star Wars, mit dem Imperator alias Peter Tauber und Angela Merkel als Darth Vader erinnert: Mit dem Wort “Empörung” löst der Generalsekretär natürlich eben die aus, und das nur ihm gegenüber. Hiermit wird nach einem Jahr Merkel’scher Lethargie geradezu herausfordert sich der dunklen Seite und damit jener kurzatmigen “Empörung” hinzugeben, zu der Peter Tauber mit diesem Satz die ganze außerparlamentarische als auch parteipolitische Oppositionsarbeit degradiert: zum Sturm im Wasserglas, zu impulsiven aber abebbenden Wallung, zum kurzatmigem “Dagegen!”. “Empörung” gilt als reflexartiger Aufschrei, unsachlich und laut, eher ein unkontrolliert zu Markte getragenes Gefühl als Verlangen nach oder auf ein Grundrecht. Wer sich empört, artikuliert sich um sofort gehört und auf gar keinen Fall missverstanden zu werden.

Die konservative Leitkultur entkernt sich derweil selbst. Die ehedem als Partei der Inneren Sicherheit verkannte Union hat diese Kernkompetenz hiermit aufgegeben. Wer innere Sicherheit nicht einmal gegen unsere Verbündeten verteidigen kann wird erst recht daran scheitern die Feinde unserer inneren Sicherheit zu bekämpfen, seien es innere wie der NSU oder Äußere, die Peter Tauber beinah noch im selben Atemzug erwähnt mit dem er die NSA verteidigt: »Russland und China spionieren in Deutschland vermutlich noch viel mehr als die USA.«

Dem Interview mit dem General der Christdemokratischen Deutschen Union, Peter Tauber wohnt ein Zauber inne, der vom Anfang nämlich. Peter Tauber suggeriert als sei seine Parteivorsitzende in Funktion der Kanzlerin ubd Regierungschefin um Aufklärung bemüht und als stünde man am Anfang. Anfang stünde aber ein Ziel gegenüber, mit einem nachvollziehbaren Pfad von A wie Anfang bis Z wie Ziel. Die bisherige Reaktion auf die Veröffentlichung von Edward Snowden sind aber nicht einmal einer der unzähligen Sonntagsreden, Sommerinterviews oder eben Interviews wie diesem wert. Alles was wir von der Ausspähpartei, der Peter Tauber als Generalsekretär vorsitzt, bisher geliefert bekamen, waren Lippenbekenntnisse. Derweil holten sich die Verhandler Mal um Mal dicke Lippen und so manches blaues Auge aus Washington. Weder hat man den USA einen Papiertiger wie das No-Spy-Abkommen entlocken können, noch verzichten CIA oder NSA auf ihre Spionagetätigkeit, anstatt sie zurückgefahren erfahren wir widerspruchslos von immer eklatanteren Eingriffen in unser aller Privatsphäre und unsere ach so wertvolles Kronjuwelen. “Made in Germany” wird seit Jahrzehnten von amerikanischen Diensten mit Wirtschaftsspionage zu “Made by Germany” umgemünzt. Während es den Bürgerinnen und Bürgern in der öffentlichen Debatte vor allem darum geht zu erfahren beziehungsweise zu verhindern ausgehorcht zu werden, verschweigt die Partei mit den hohen Kompetenzwerten in Sachen Wirtschaft, das dieselbige seit Jahrzehnten ausgehorcht wird. Niemand hatte sich geglaubt, das die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ausgegebenen Empfehlungen der letzten zwei Jahrzehnte gegen die eigenen Bündnispartner gerichtet gewesen wäre. Das man Verschlüsselung etwa empfahl um davor sicher zu sein das Unternehmenswerte abgefischt werden könnten, um sich nicht etwa gegen China oder Russland abzusichern, wie gern behauptet wurde, sondern gegen die am Boden liegende Wirtschaft der USA hatten manche vielleicht geahnt, manche Fälle waren früh gut dokumentiert, aber wer sich dahingehend äußerte galt als Verschwörungstheoretiker, dem die Praxis fehlte. Heute wissen wir: Um der amerikanische Wirtschaft Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, die der Markt hätte schaffen sollen aber die Marktteilnehmer der USA verschlafen hatten, spioniert der amerikanische Staat bei befreundeten wie feindlichen Staaten und fischt ab was er kriegen kann. Während der deutsche Zoll mühsam weil Container für Container nachempfundenem Salatbesteck aus China nachsteigt, kopieren die USA Blaupausen für Hochtechnologie auf Zukunftsmärkten. Und die Antwort der Union, einstmals bekannt für ihren Sachverstand im in Sachen Wirtschaft? Sie sitzen da und verhandeln um TTIP, nicht zuletzt Peter Tauber: »Die Spionageaffäre ist kein Grund, nicht mehr miteinander zu reden – im Gegenteil.« Und das meint Peter Tauber so ernst wie das Amen in der Kirche.

Peter Tauber verhöhnt euch, liebe Opfer totaler Überwachung und wirtschaftlicher Ausbeutung. Angela Merkel tanzt auf auf dem Grab, indem die Bürgerrechte neben der soziale Marktwirtschaft rotieren. Die Union geht über die Stasi 2.0 genau so routiniert hinweg wie über Fukushima und den NSU. Es ist eine Ekel erregende Inszenierung absoluter Ohnmacht vorgetragen mit triefend staatstragender Pathos. Tauber und Merkel tun so, als hätten sie die Hosen an. Dabei stehen und Angela Merkel und ihre Union seit gut einem Jahr mit runtergelassenen Hosen an der Wand vor der USA, die überwacht wen sie will und dabei ausrichten lässt: “Fuck the EU!” Wer sich so danach sehnt erniedrigt zu werden, hat nicht nur unser aller Vertrauen verspielt, sondern verdient es nie wieder.

Einzig zu einem ist dieses Interview mit Peter Tauber gut: Es rettet Die Welt, indem es ihr ein paar konservative Grüne als Abonnenten verschaffen, die dem Wahljahr 2017 als Erlösung aus der Oppositionsbank entgegen sehnen. Denen öffnet Peter Tauber die Tore weit: Wenn der Wunschpartner FDP, dem “die Totenglocken bereits geläutet wurden”, nicht zur Verfügung stünde, stünde einer Zusammenarbeit mit den Grünen nichts im Wege. So viel Beliebigkeit kennen wir sonst nur von der Kanzlerin. Das färbt ab. Und um die zu Anfang vom Interviewten gestellte Frage nach der Lösung des Problems zu beantworten: die Auflösung des Kasperlevereins den die Konservativen als Partei missverstehen wäre der erste Schritt in die richtige Richtung.

Nordkorea und Portugal im Finale – westlichen Qualitätsjournalismus, dank südkoreanischem Medienhack

Propagangnam Style: Südkoreanische Medienprofis schnibbeln ein Video zurecht, das den Eindruck vermittelt, Nordkoreas Medien vermittelten das Bild bei der Fussballweltmeisterschaft in das Finale gegen Portugal gekommen zu sein.

Und >deutsche Massenmedien wie BILT und Stern übernehmen die Meldung aufgrund eines häufig geklickten Videos ungeprüft. Wer ist da eigentlich derjenige, der das “Grobes Foul von Kim-Jong Un (…) (der) den Nachrichtenfluss im eigenen Land zu kontrollieren” begeht? In Nordkorea ganz sicher er, in Europa füllen die selbe Funktion Silvio Berlusconi oder Friede Springer aus. Es ist halt immer eine Frage der Perspektive und wer den Propaganda-Filter geschickt genug bedient. Hut ab, Südkorea, ihr habt die deutschen Qualitätsmedien genarrt.

Andererseits kein großer Verdienst, westlichen Qualitätsjournalismus an der Nase herumzuführen, wenn der von den Verlegern ausgegebene Modus Operandi beinhaltet, Nordkorea in möglichst bizarrem Licht erscheinen zu lassen. Man fragt sich natürlich, wem es nützt, das die Welt denkt, der nordkoreanische Führer sei ein selbstverliebter Irrer, der die Medien manipuliere. Die hungernden Nordkoreaner wissen es schließlich nicht, sodass sie den Aufstand proben und den Norden des Landes die “Freiheit” bringen würden, indem sie diese unsägliche Mauer beseitigen. Die Mauer in den Köpfen der westlichen Medien ist allein dazu da den Westen bei Laune zu halten, falls sich einmal die Gelegenheit ergibt, auf eine Provokation aus dem kommunistischen Staat reagieren zu müssen. Dann werden all die Berichte wieder zu einer Kollage zusammengefasst, die ein zuverlässiges Mosaik der Unzurechnungsfähigkeit der nord-koreanischen Führung zeigt. Es wird um die Bilder von Marschflugkörpern arrangiert, die Massenvernichtungswaffen in dem Land suchen. Und zehn Jahre später werden die alliierten abziehen und das Land sich selbst überlassen. Dann wäre, swas sich die Koreaner vermutlich am meisten wünschen: Nach fast 70 Jahren das erste Mal wieder ohne Besatzer.

Der Gipfel dieses Mediencoup, neudeutsch Medienhack, dürfte sein, das kein Nordkoreaner überhaupt etwas davon mitbekommen haben dürfte. Nordkorea zeichnet sich nicht nur durch ein Volk aus, das in Armut und Gefangenschaft lebt, sondern auch darüber über ein zu 100% gefiltertes Internet verfügen. An Stelle der “Great Firewall of China” ist hinter dem Stacheldraht gar kein Empfang.

Unsere Demokratie wird am Hindukusch vorwärts verteidigt

Es braucht mal wieder investigativen Journalismus, unserer Frieden stiftenden Bundeswehr einen Spiegel vorzuhalten. Eine von ihr durchgeführte Offensive hatte 27 tote Zivilisten zur Folge. Man könnte behaupten, das fiele in Anbetracht der Zielsetzung der gesamten Mission unter humanitäre Katastrophe, denn eigentlich wollten wir Afghanistan die Demokratie bringen und unsere eigene dort verteidigen, oder konkret: Brunnen zu bohren und afghanische Mädchen den Schulzugang zu ermöglichen. Stattdessen lagen plötzlich 27 tote Zivilisten im Dreck, und weder die Bundeswehr noch das Verteidigungsministerium als oberster Dienstherr noch die Kanzlerin hielt es für nötig einen Kommentar abzuliefern. Nochmal: kein Kommentar trotz über zwei Dutzend toter Zivilisten, 27 afghanische Männer, Frauen, Kinder.

Was beschäftigte unsere Konservativen während dessen, also im Jahr 2010? Sie beanspruchten zur selben Zeit den Begriff “Gefallene” für tote Soldaten der Bundeswehr: Sogar die Kanzlerin baute das Thema anlässlich drei toter Soldaten bei einem Friedenseinsatz in ihr Redemanuskript ein. Man könnte meinen, es ginge ihr um die Toten oder Hinterbliebenen. Vermutlich war es aber plumper Patriotismus getränkter Populismus angesichts drei Särge von einer Mission über die 80 Prozent der Deutschen seinerzeit schon sagte das die Bundeswehr in ihrem Namen seit Jahren am Ziel vorbei operierten.

Es ist ein Trauerspiel, das aus Frieden sichernden Blauhelm-Missionen zu Anfang des wiedervereinten Deutschland Krieg spielen für die Bundeswehr Normalität geworden ist. Und mit Trauerspiel meine ich nicht einmal die hohe Zahl der Toten, die beispielsweise ein Bombardement zweier Tanklaster bei Kundus forderte. Oder eben jetzt 27 Tote bei der größten Offensive deutscher Soldaten seit dem zweiten Weltkrieg, bei dem auch »auch Artillerie, Kampfflugzeuge, Schützenpanzer und Kampfhubschrauber eingesetzt« wurden. Für einen Polizeieinsatz, als der der Afghanistan-Krieg lange Zeit verkauft wurde, ziemlich große Kaliber.

Was ich als Trauerspiel verstehe, ist nicht die moralische Verkommenheit, mit der “Gefallene” überhöht und zivile Opfer totgeschwiegen werden. Es ist auch nicht dar hohe ethische Anspruch, dem Deutschland aus seiner jüngeren Geschichte erwächst, und dessen Verleugnung in Folge akuter Geschichtsvergessenheit ich als Trauerspiel bezeichne. Es ist vielmehr der schlichte Fakt, das 2010 nicht notwendig gewesen wäre mittels einer Offensive Bundeswehrsoldaten in Gefahr zu bringen, in der sie umkommen könnten, dann noch Kollateralschäden zu verursachen, die nur den Terrorismus befördern, den wir dort zu beseitigen versuchen. 2010 war die Debatte um den endgültigen Abzug aller alliierten Soldaten längst von konkreten Planungen begleitet. Es gleicht dem Prinzip “Verbrannter Erde” in so einer Situation noch im großen Stil Krieg zu spielen, nur noch schlimmer, bedenkt man: Die oben erwähnte und verlinkte Rede von Angela Merkel, in der die Kanzlerin drei tote Soldaten betrauerte, ging der Offensive nur wenige Monate voraus. Es braucht nicht viel analytische Denken um den Zusammenhang zwischen der höchsten Zahl toter Soldaten und der “größten Offensive der Bundeswehr seit dem zweiten Weltkrieg” herzustellen. Man könnte auch einfach sagen, das die Bundeswehr einen Rachefeldzug vollzog, während die Kanzlerin an der Heimatfront den Ruf und den Rufnamen toter Bundeswehr-Soldaten in “Gefallene” umdeutelte. Das Trauerspiel ist das die Bundeswehr unter den Augen der veröffentlichten Meinung in eine Offensivarmee verwandelt wird, die Großoffensiven unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchführt, bei denen leider auch Zivilisten sterben und das es Kriegskanzlerin Merkel nicht für nötig hält oder sich nicht traut dieses Faktum einer größeren Öffentlichkeit vorzutragen. Wir haben eine Kanzlerin, die Krieg führt, im Irak gern geführt hätte, und keiner deutet darauf hin; einen “Krieg gegen den Terror”™ der längst zu einem gegen Zivilisten geworden ist. Es widert mich an.

Das Fracking-Moratorium

Schwarzgelb hatte Fracking letzten Sommer kurz vor der Wahl eine Absage erteilt: Am 4. Juni beschloss die Fraktionssitzung von CDU/CSU das vorläufige Ende der Risikotechnologie. Merkel und ihre Union schloss damit auf zu Peer Steinbrück und der SPD, deren Regierungsprogramm sich seinerzeit wie folgt las:

Es fehlen noch viele und grundlegende Informationen, um die Auswirkungen und Risiken der Fracking-Technologie zu beurteilen. Wir setzen uns für einen Verzicht des Einsatzes von Fracking ein, bis alle Risiken für Gesundheit und Umwelt bewertet und ausgeschlossen wurden. Dieses Moratorium soll so lange gelten, bis Fracking-Metho- den ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, die zu einer schädlichen Veränderung des Grund- und Trinkwassers führen, zur Verfügung stehen.
Quelle: Formulierung im Regierungsprogramm der SPD zur Bundestagswahl 2013, S. 42

Und wie bei der “Merkelsteuer” bahnt sich nun in der Großen Koalition eine Gleichung der Form 2+0=3 an: Weder soll ganz darauf verzichtet werden – wie von der Union populistisch in der heißen Wahlkampfphase eingeleitet, noch werden Forschungsergebnisse abgewartet, wie dem hohen zweistelligen Prozentsatz der Deutschen versprochen, die das experimentelle Fracking ablehnen. Nun will die neue Bundesregierung Fracking erlauben – trotz neuer Risikostudie. Das die Folgen für die Umwelt durch die in das Grundwasser injizierten Chemikalien noch nicht abschätzbar sind, vor allem die langfristigen Auswirkung und die bei massenhaftem Einsatz, dessen ist man sich sicher.

Das man ohne Gas aus Russland mit einer Energiekrise zu rechnen habe, die mit jener von den OPEC-Staaten verursachten gleich kommt, muss die Motivation sein über das Risiko für die Umwelt so wie damals für den Weltfrieden hinweg zu sehen. Seither demokratisieren die USA in schöner Regelmäßigkeit Erdöl-fördernde Länder und beuten ihre eigene Natur bis zur Unkenntlichkeit aus. Obama scheint genug Druckmittel aus den Telefonaten von Merkel in der Hand zu haben, um ihr den Wirtschaftskrieg mit dem europäischen Nachbarn aufzuzwängen. Obama scheint die Zerstörung von Alaska, der Küstenlinien der USA und die tödliche Gewaltspirale der “Allianz der Willigen” gegen die islamische Religion und die arabischen Halbinsel noch nicht zu genügen. Stattdessen zwingt er Europa in einen Konflikt den weder Putin und Russland noch Obama und dessen hiesige westlichen Satellitenstaaten gewinnen können. Damit man mit einem Boykott Russlands auch ohne dessen Zulieferung von Gas zurecht kommt, so scheint sich hingegen die Bundesregierung sicher, will man nicht nur Fracking massenhaft zum Einsatz bringen. Das Repertoire nicht zu Ende gedachter, rumweltzerstörerischer Technologie ist groß, und die Energieunternehmen verabschieden sich zur Zeit pünktlich von Altlasten wie Atomkraftwerken, für die aus Russland ebenso kein Uran mehr geliefert würde, und wenden sich zuvorderst mit ihren Werbeagenturen und Wissenschaftlern neuen Themen zu die sich vermarkten lassen und Milliarden öffentlicher Förder- und Forschungsgelder versprechend, bis sie industriell ausgebeutet und schließlich auch wieder als Altlast an den Staat abgestoßen werden können. Der nun in aller Munde befindliche “neue Kalte Krieg” hat längst begonnen, und es ist zum Großteil ein Wirtschaftskrieg. Er kommt in Form eines neuen Pakts daher, dieses Mal aus dem Westen. Der Washingtoner Pakt mit der EU verspricht ja nicht nur Chlorhühner und Genmais. TTIP verspricht eine Abgrenzung der beiden dahin vegetierenden Märkte Europa und USA zu einem nach Osten abgegrenzten Wirtschaftsraum, der sich gegenseitig bevorteilt. Hiermit will man aber nicht nur Russland und China ausgrenzen, den USA geht es auch darum den florierenden Handel mit Südamerika zu regulieren, und die Zukunftsmärkte dort unter seine Kontrolle zu bekommen.

Also kein vorläufiges oder gar endgültiges Ende von Fracking, keine weiteren Untersuchungen abwarten, keine Bedenkenträger zulassen, sondern: Fracking vorbehaltlos erlauben. Das eine mit nahezu 80% gewählte Bundesregierung 80% der Bevölkerung derart ignoriert ist ein Novum. Es ist die “Legal, illegal, scheißegal.” Einstellung die ihr von den 30 Prozent der Wahlberechtigten (vulgo: Nichtwähler) unterstellt wird und die Politikverdrossenheit zusätzlich anfacht.

WaWe 10000

Deutschland rüstet sich (auf), kauft 78 Wasserwerfer vom Typ WaWe 10000 dazu, beispielsweise für Einsätze bei Blockupy, in Gorleben oder bei Fußballspielen. Das Problem nur: Das “neben Eiern auch Tennisbälle und halb gefüllte PET-Flaschen (0,5 l)” die Panzerung des WaWe 10000 zum zerbersten bringen. Man möchte sich gar nicht ausmalen was geschieht, wenn die Beamten ihren Kollegen im WaWe 10000 Discounter- statt bemalter Bioeier, Fußbälle oder volle Glasflaschen an die Scheibe knallen, die natürlich gepanzert ist. Das die Vorgänger des Wasserwerfer WaWe 10000 vergitterte Fenster hatten, sollte nicht unerwähnt bleiben.
Das kann nur eines bedeuten: Eier oder Tennisbälle gelten (neben Regenschirmen und Clownskostümen) ab sofort als aktive Bewaffnung und sind somit auf Demonstrationen untersagt.

Update #1: Das Satiremagazin extra3 verfilmte die Präsentation der neuen Wunderwaffe angemessen:

(via)

Noam Chomsky: “USA is one of the leading terrorist states in the world”

In einem Interview mit PressTV wendet der amerikanische Akademiker Noam Chomsky die Definition von Terrorismus auf die vergangenen zehn Jahre des »Krieg gegen den Terrorismus« an und kommt zu dem Schluss: Die USA ist eine der führenden Terrorstaaten in der Welt1.

In dem Zusammenschnitt das dem Video des Interview voran geht werden Bilder gezeigt die mich an die Eröffnung des Feldzug gegen den Irak erinnert haben, dem sich Bundeskanzler Gerhard Schröder damals verweigerte. Gerade die live in alle Welt übertragenen Bilder der Bombenangriffe auf die Paläste von Saddam Hussein haben sich mir in der schlaflosen Nacht ebenso ins Hirn gebrannt wie der in die Politik zurück kehrende Anstand und der Mut diesem Krieg nicht auch noch die ansonsten “uneingeschränkte Solidarität” zu verweigern. Angela Merkel und Roland Koch waren seinerzeit bis ins Oval Office gekommen und an “George WW III Bush” vorgedrungen, was Oppositions- und Provinzpolitiker eher selten gelingt und als Botschaft an das “Alte Europa” gedacht war: “Seht her, eure Staatsoberhäupter ziehen den Schwanz ein, wir haben hier schon ein paar neue Führer für euch.” Angela Merkel hat es ja dann tatsächlich geschafft und selbst Roland Koch konnte sich trotz zahlreicher selbst verabreichter ehr abschneidender Skandale geschafft sich die Mehrheit der konservativen Hessen Untertan zu machen.

Was mich zu zweierlei führt:

Um seine Meinung zu vertreten sind in westlichen Demokratien kaum noch Kanäle offen, und wenn man sie vertritt, muss man schon stahlharte Eier haben, wie Noam Chomsky, dessen Leben durch die Kritik aus den USA an den USA sicherlich nicht sicherer geworden ist.
Und einen deutschen Intellektuellen, wie Noam Chomsky gibt es nicht, jedenfalls fiele mir keiner ein der sich der Kriegstreiberei der politischen Führung entgegensetzt.

Immerhin hat Sigmar Gabriel auf den erheblichen öffentlichen Druck, der eher aus der Breite als von einer Spitze kommt, heute reagiert und eine neue Lieferung Kampfpanzer an einen der wichtigsten Verbündeten der USA, Saudi Arabien nämlich unterbunden. Vermutlich werden die jetzt an die USA und von dort aus an Saudi Arabien geliefert, was den von Sigmar Gabriel gepredigten Wein in der Rüstungsdebatte schon sehr verwässern würde. Und zeigt das er weder das Ehrempfinden noch den Mut hat sich Merkel oder gar Obama entgegen zu stellen oder etwa zu seinen Zusagen zu stehen.

  1. “United States is one of the leading terrorist states in the world” []

Persilschein gegen Personenschutz

Mit so viel Selbstvertrauen ist allenfalls seine ehemalige Supermacht ausgestattet: Will die durch die USA erst ein- und dann durchgesetzte Regierung sich nicht dazu durchringen, durchdrehenden Amerikanern in Uniform einen strafrechtlichen Persilschein auszustellen, werden die abgezogen, so und nicht anders kann man »Besatzung nur gegen Straffreiheit lesen. In der Vergangenheit machten amerikanische Soldaten vor allem per halbwegs gezielter Tötung per Drohne, durch Misshandlung von Verdächtigen in Abu Greib, Amokläufe en mass, meist afghanische Zivilisten zum Opfer habend, durch Umgraben des halben Hindukusch per Clusterbomben usw. usf. von sich Reden. Damit all die Tötungen im “Krieg gegen den Terror” nicht auch noch zivil- und strafrechtliche Konsequenzen hat, will Obama vom afghanischen Präsidenten Karsai, der es unter amerikanischer Aufsicht grad so vermochte in der Hauptstadt zu überleben, also nun Straffreiheit für alle potenziellen amerikanischen Streitkräfte, egal ob die auf Befehl und legal handeln oder willkürlich und im Blutrausch mit Kollegen killen. Ich finde: Change und Forward sehen anders aus.

Du oder Sie Wichser? Für dich immer noch: Sie, Wichser!

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Die deutsche Trennung des förmlich-respektvollen Sie vom Du kennen die meisten anderen Sprachen gar nicht. Klar, schließlich transportiert eine Anrede oder ein Grußwort trotz der schönsten Worte oft trotzdem genug Häme, Spott und Missbiligung das man so Fetzen gar nicht braucht. Der junge Mann im folgenden Video wollte deshalb wohl sichergestellt wissen, das die Beamtenbeleidigung seinerseits auch ankommt:

Quelle: Fefes Blog

Fuck you, WEB.De-Mail!

Mit einer E-Mail wie der folgenden verbreitete der so genannte WEB.DE Service Angst und Schrecken:

WP_004766

Da heißt es schon im Betreff alarmierend “Achtung: Sie sind nicht erreichbar!”, und weiter im Text: “(E)s besteht Ihrerseits Handlungsbedarf”, was natürlich nicht stimmt, aber die schon geweckte Angst nochmals verstärkt. Man sei »per De-Mail derzeit nicht erreichbar!« wird wiederholt und mit Ausrufezeichen und mit Hervorhebung von nicht betont. Der kurzfristige Entschärfung des Zustands (“könnten”) folgt die dramaturgisch hervorragend platzierten Absender, schließlich will niemand etwas von der Deutschen Rentenversicherung oder der eigenen Bank verpassen. Und schließlich setzen die Autoren Wissen und Kenntnisse voraus, die ich nicht einmal den handverlesenen Nutzern von De-Mail unterstelle, die auf solche an Nötigung grenzende, mit ziemlicher Sicherheit aber Wettbewerbsrecht tangierende werbliche Sendungen bereits hereingefallen sind.

Wer nicht weiß, was De-Mail ist, was das soll und warum man tunlichst die Finger davon lassen sollte, der sollte den Wikipedia-Artikel zu De-Mail lesen. Und an WEB.DE, für derlei Frechheit: Fuck you!

Nichts als die unzensierte Wahrheit, seit 2002.