Die Krise die sich Kanzlerin nennt

Helmut Kohl erhielt sicher nicht ganz ohne sein Zutun den Titel “Kanzler der Einheit” angedichtet, obwohl er die friedliche Revolution allenfalls wohlwollend in Empfang genommen hat: Bürger_innen der DDR sind gegen den Unrechtsstaat auf die Straße gegangen und haben sich ihre Freiheit erkämpft, ohne das zumindest währenddessen ein Schuss fiel.

Und nun regiert die übernächste und erstmals ostdeutsche Kanzlerin, der sogar die wohlmeinendsten attestieren, sie herrsche mit ruhiger Hand, was so viel meint was alle denken: Sie glänzt mit Untätigkeit. So kann man immerhin auch nichts falsch oder schlechter machen, könnte man sagen. In Zeiten der Krise ist das ja schon was. Man stelle sich vor Gerhard Schröder wäre bei der Jahrhundertflut an den Deich gegangen und hätte für Luftentfeuchter geworben. Aber nein, der stand auf dem Deich, in Gummistiefeln und tat auch: eher nichts. Aber Gerhard Schröder hatte andere Verdienste, etwas 300.000 SPD-Mitglieder in Folge der Hartz-Reformen zu verlieren. Darauf kann die Kanzlerin nicht bauen.

Angela Merkel kann nach 9 Jahren eigentlich nur vorweisen, nicht mehr kaputt gemacht zu haben als ohnehin schon war: Nachdem sie ganz Europa ein Spardiktat aufgenötigt hat, stehen die Wirtschaftsindikatoren auch für Deutschland wieder auf Abwertung bis Absturz, die Arbeitslosenzahlen werden in Folge dessen auch hier explodieren und die zahllosen Baustellen, die ihre eigenen Minister aufgerissen haben, angefangen von den Agenda für das Digitale, bei der bis auf heere Ziele noch nichts heraus gekommen ist, bis zu Milliarden, die im Gegensatz dazu für den so genannten Verteidigungshaushalt fehlen, obwohl die bereitgestellten von der designierten Nachfolgerin oder ihren (ebenfalls von der Union gestellten) Vorgängern nicht abgerufen wurden. Gleichzeitig heimst die Sozialdemokratie ihre ganzen Versprechen ein, die sie ihren Wählern vor der Wahl gemacht hat, jedenfalls den Großteil derer, und das in Rekordzeit: Mindestlohn, wenn auch mit vielen Einschränkungen, Rente mit 63, zugegebenermaßen von den Nachfolgegenerationen bezuschusst, Vereinbarkeit von Familie und Karriere, usw. usf.

Es zeichnet Merkel also nicht nur aus, das sie Krisen aussitzt, sondern ihr auch vorsteht, und zwar in Form ihres eigenen Apparats als auch durch Nichtstun in Gestalt natürlicher Konsequenzen aus dem Nichtstun, nämlich durch das Handeln Dritter.

Merkel hat den Titel “Krisenkanzlerin” redlich verdient. Sie manifestiert die selbe Untätigkeit, die Kohl über 16 Jahre ausgezeichnet hat, in einer allenthalben gefeierten Kultfigur, für die kein Nachfolger in Sicht ist. Wie seinerzeit unter Kohl. Aber ihre 16 Jahre sind ja nur angebrochen und nicht abgelaufen. Der Kanzlerin die sich Krise hat noch eine weitere Legislaturperiode vor sich, und alle Umfragen lassen darauf schließen das sie es wieder wird: Wenn am Sonntag Wahlen wären, wären die Deutschen abermals so dumm die Krise die sich Kanzlerin nennt wieder zu wählen. Das spricht eher für eine Bevölkerung aus Dichtern, nicht Denkern.

(Disclaimer: Der Autor ist kritischer Sozialdemokrat.)

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Verschwörungstheorien bei der CDU/CSU-Fraktion

Wenn man sich Politiker der Union ansieht, glaubt man ohnehin nicht das in der Partei auch nur ein Mensch bei klarem Verstand sein kann. Dem entsprechend haben sie die Vorsitzende und den Vorsitzenden, die sie verdienen. Aber als an der Regierung mittels Fraktion beteiligte sollten sie doch zumindest Leute in die Parlamente entsenden, die ihre spärliche Intelligenz nicht schon dadurch überfordert sehen unser aller Verfassung zu achten. Weit gefehlt könnte man meinen, wenn man sich die Sicherheitsgesetzgebung der letzten dreißig Jahre ansieht. Und die Schwemme an Arbeit für die Verfassungsrichter, die die gerade veröffentlichten Gesetze und kaum abgehangenen Gesetzestexte schon wieder kassieren, bevor die nächste Wahl damit gewonnen werden kann.

Nun stellt die Bedrohung durch IS aber ganz neue Herausforderungen an unsere Sicherheitsarchitektur, was aber niemand bei der Union davon abhält mit altem Wein aus neuen Schläuchen dagegen zu halten: Da wird beispielsweise mal wieder Vorratsdatenspeicherung gefordert. Es kommt aber auch zu interessanten Grundrechtsverstößen, wie der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden im Bund und Land, wobei die Nachrichtendienste und deren Informationsaustausch im selben Satz erwähnt werden. Es kommt aber auch zu Vorschlägen wie dem Bruch des elektronischen Briefgeheimnis, das im Zuge der Veröffentlichungen von Edward Snowden in Form von Kryptographie angeraten ist. In der Veröffentlichung der CDU/CSU-Fraktion wird gefordert »Netzwerke (im Sinn terroristischer Vereinigung, Anm. d. Red.) (..) aufzuspüren, (…) umfassende Aufklärung des Internets mit seinen sozialen Netzwerken, effektive Möglichkeiten der Überwachung auch von verschlüsselter Kommunikation« Also ganz unmissverständlich: Die CDU/CSU-Fraktion will den Sicherheitsapparat in die Lage versetzt sehen, unser aller Bemühen zu untergraben, uns gegen die Ausspähung durch die NSA zur Wehr zu setzen.

Danke, für nichts. Das diese Partei immer noch hohe Kompetenzwerte hinsichtlich innerer Sicherheit zugeschrieben erhält ist ausschließlich des kreativen Umgangs von Meinungsforschern und anderen Freunden der Kanzlerin in der veröffentlichten Meinung zu verdanken.

Das die Presse nicht in der Lage ist ein Papier der Unionsfraktionen zu lesen und zu deuten, wird gleich in der Einleitung zu massnahmen_gegen_dschihadisten.pdf klar:

Der islamistische Terrorismus stellt unseren Rechtsstaat vor eine ähnliche Herausforderung wie seinerzeit die Bedrohung durch die RAF oder die Anschläge des 11. September 2001.

Was, wenn nicht der 11. September, sind denn klar dem Dschihad zuzuschreiben? Da stiegen ein Dutzend gut situierte Radikale in Flugzeuge und verwandelten sie in Waffen. Und dafür muss die halbe Welt islamischen Glaubens büßen, indem ihre Religion schon durch die Vereinnahmung per Begriff Islamismus verunglimpft wird. Bitte, lieber Unionsvize Thomas Strobl und werter innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer, die ihr dieses Pamphlet in die Welt gesetzt habt: Haltet euch an euren Dateinamen, darin habt ihr es nämlich so genannt wie man richtig bezeichnen kann, ohne die halbe Welt und viele Menschen mit Migrationshintergrund hierzulande nicht zu Sympathisanten abzustempeln. Aber daran habt ihr möglicherweise gar kein Interesse: Nennt es »Dschihad«, heiliger Krieg, und den will im Islam nur eine verirrte, radikalisierte Minderheit. Mit euren vorgeblich gegen Terrorismus gerichteten Maßnahmenbündel aber geht ihr wieder wie mit Schaum vor dem Mund gegen ganz Deutschland vor, mit dem Bruch von Verschlüsselung und Vorratsdatenspeicherung nämlich. Andernfalls sie ihr nicht besser als Verschwörungstheoretiker. Oder besser, da an Gesetzgebung beteiligt: Verschwörungspraktiker.

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Zu Panik oder Depression besteht kein Anlass!!1!

Zu Panik oder Depression besteht kein Anlass. (Schäuble, Q)

Dies Zitat von Wolfgang Schäuble reiht sich ein in eine Vielzahl hochkarätiger Propaganda der Union, wie dem unvergessenen »Die Renten sind sicher.« von Norbert Blüm; und es besteht neben Floskeln wie “Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.”, das ich persönlich bewusst das erste Mal vernahm als in der Ukraine in Tschernobyl ein Super-Gau die These widerlegte das so etwas nur alle Millionen Jahre vorkomme weil “Atomkraft sicher” sei. Trotzdem durfte ich fortan nicht mehr auf den Bolzplatz und Pilze waren fortan Tabu,

Erkennt die Lügen und Lügner, wenn ihr sie hört und seht; Lügen haben kurze Beine.

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Das gefallene iPhone

Update

Zurück am Computer staunte ich nicht schlecht: Dieser Beitrag hatte ein paar Leser gefunden, dabei war ich offenkundig nicht der einzige, der das Video zum Thema gemacht hatte. Neben den inzwischen schon zu den klassischen Medien zählenden wie Mashable, Gismodo und Huffington Post griffen auch Blogs die Geschichte auf, darunter die üblichen Verdächtigen Stadt Bremerhaven und dressed like machines, aber mir auch bisher gänzlich unbekannte wie Jannewap, blogtogo.de, ein Hinweis auf dasklonblog.com mit einem Video der Blue Man Group und Stadtkind Frankfurt mit Bildern vom Frankfurter Apple Store mit Drängelgittern: Ordnung muss sein! Damit sind gleich mal wieder ein paar neue Blogs in meinem Feedreader gelandet.

Als Windows Phone-Nutzer der ersten Stunde verspürte ich im ersten Moment eine gewiss Schadenfreude, als ich von der Nachricht las: Das soeben erworbene iPhone 6 sei einem Kunden direkt aus der Packung auf den blanken Asphalt gestürzt. Obwohl ich es nicht stürzen sah, wusste ich instinktiv: Das ist ein tolle Schlagzeile. Das war primitiv. Dafür schämte ich mich sofort und suchte nach einer schlüssigen Ausrede für mein dämliches Grinsen.

Die fiel mir auch sofort ein. Natürlich richtete sich der Spott nicht etwa gegen einen der zigtausend vor den Apple Stores auf allen Kontinenten kampierenden Apple-Fanboys: Der eine Apple-Fanboy, dem das Missgeschick geschah, war vor lauter Aufregung durch die laufende Kamera nebst Live-Übertragung ins landesweite Fernsehen etwas passiert das dem normalen Konsumenten gewiss nicht unterlaufen wird.

Weil sie nicht in Echtzeit in Millionen Fernseher landesweit übertragen werden. Und es wird ihnen nicht passieren, weil nicht neben jedem Apple-Fanboy ein blöder blonder Erzengel des Qualitätsjournalismus steht, der ihn noch auf der Schwelle des Apple-Store dazu nötigt das Gerät auszupacken. Sie werden es in der Regel wie rohe Eier behandeln, wenn nicht gerade Helmut Kohl in der Nähe ist. Der wenig eloquenten Reporterin vor Ort gelingt es aber nicht einmal allein ihr Mikrofon zu halten, wobei ihr der junge Mann zunächst noch hilft. Als sie ihm dann den Überzieher um die Verpackung entfernt, kommt es zunächst zur Staffelübergabe, Mikrofon gegen Verpackung. Und als die Verpackung ob des darin entstehenden Unterdruck ihren Inhalt nicht sofort preis gibt, hilft er nach bis das fabrikfrische iPhone 6 zu Boden fällt, da es aus weder irgendwie befestigt ist noch die Verpackung das ankündigt.

Apple hat sich offenbar zum Ziel gesetzt das iPhone beim Kunden wie in einer Mischung aus Schrein und Bahre zu präsentieren. Kann man machen, dann ist man allerdings scheiße. Jeder gute Ingenieur hätte davon abgeraten. Wie man so was macht kann man beispielsweise beim HTC 7 Pro sehen.

Doch meine Kritik richtet sich nicht in erster Linie an mich selbst, die blöde Trutsche vom TV oder Apple. Ich empfinde es eher als bezeichnend, das ein Wirtschaftsmagazin wie das Handelsblatt das als Aufhänger für die Berichterstattung zum Verkaufsstart des Apple iPhone 6 macht. Dem entsprechend hart habe ich auf Twitter reagiert. «Geht sterben.« habe ich der Redaktion auf die Ticker-Meldung via Twitter geantwortet. Mehr noch, man gibt den schadenfreudig erregten Lesern sogar noch Handlungsanweisungen: »Sollte sich das Video nicht öffnen, können Sie es über diesen Link direkt ansehen.«

Damit meinte ich natürlich die gesamten verkommene Medienbranche, die erst Unmengen damit verdient die Geräte zu teasern und um dann deren Konsumenten vorzuführen. Der blonden Frau steht die Schadenfreude mindestens ins Gesicht geschrieben, weil sie vermutlich den selben Kurzschluss im Gehirn erlitt wie ich: Man kann das Phänomen nicht verstehen, darum verlacht man es. Ich bedaure die Frau mindestens so wie den jungen Mann wie mich. Aber das Handelsblatt macht daraus eine eigene Story. Das ist so als würde ich über jeden einzelnen der 200 gefeuerten Mitarbeiter der FAZ einzeln berichten. Das Handelsblatt war verdammt nochmal ein Wirtschaftsblatt. Die sollten sich auch so verhalten. Stattdessen erniedrigen sie sich selbst zu einer dicht bedruckten, orangefarbenen BILT. Bedauerlich.

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Die neue Mauer? Der neue Westwall!

Ich kann mir nicht helfen: Wenn ich Bilder wie dieses sehe, denke ich unweigerlich an Bilder wie von Besichtigung der „Siegfried-Linie“ bei Aachen durch den britischen Premierminister Winston Churchill am 4. März 1945:

Besichtigung der „Siegfried-Linie“ bei Aachen durch den britischen Premierminister Winston Churchill am 4. März 1945
(http://de.wikipedia.org/wiki/Westwall#mediaviewer/File:The_British_Army_in_North-west_Europe_1944-45_B15163.jpg”>Bildquelle)

Das Bollwerk war auch gedacht, um eine Militäroffensive unmöglich zu machen. Und in weiteren 70 Jahren werden die mächtigen Betonblöcke noch immer von ihrem und unserem Versagen künden. Im Vergleich zu den Betonelementen in der Ukraine wirken die am Westwall beinah niedlich.

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1125 Euro

Die Ebola-Epedemie in West-Afrika ist außer Kontrolle. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation lange Zeigt schlief um dann zuerst zu zaghaft und zögernd einzugreifen, um dann mit Straßensperren gegen diese Seuche vorzzugehen verstarben binnen weniger Wochen 2400 Menschen vor allem in Sierra Leone und Liberia. Mit dem Wissenschaftler des größten und angesehensten Instituts für Tropenkrankheiten  zu schreiben. »Liberia ist verloren«1 Nun hat sch das Land bilateral an an uns gewandt, mit einem persönlichen Brief an die Kanzlerin. Ein ungewöhnlicher Vorgang, aber außergewöhnliche Zeiten erfordern mutige Schritte. Üblicherweise unternimmt die Weltgesundheitsorganisation die Koordination im Kampf gegen solche Ausbrüche, aber wie schon angedeutet ist sie nicht sonderlich zügig darin. Und Zeit ist für die Menschen vor Ort der kritische Faktor. Weil die Antwort ausblieb, wurde der Wortlaut nunmehr veröffentlicht:

Ich übermittle Ihnen Grüße vom liberianischen Volk und in meinem Namen. Lassen Sie mich zunächst unsere Dankbarkeit für die Unterstützung ausdrücken, die Sie uns in der Mano River Union im Kampf gegen diesen beispiellosen Ausbruch des Ebola-Virus gegeben haben. Das deutsche Volk ist über die Jahre ein verlässlicher Partner gewesen und wir sind aufrichtig dankbar.
Liebe Kanzlerin Merkel, wie Sie inzwischen wissen, hat der Ausbruch die von uns bislang versuchten Maßnahmen der Eindämmung und Behandlung überwältigt. Unsere bereits begrenzten Ressourcen sind zum Zerreißen gespannt und bis jetzt hat nur ein privates Hilfswerk, Ärzte ohne Grenzen (MSF), in allen betroffenen Ländern robust reagiert. Aber auch sie sind an ihre Grenzen gestoßen. Ohne mehr direkte Hilfe von Ihrer Regierung werden wir diese Schlacht gegen Ebola verlieren. Eine WHO-Untersuchung, durchgeführt mit anderen Partnern und unserm eigenen Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt, projiziert tausende Fälle über die nächsten drei Wochen.
Der Virus breitet sich exponentiell aus und wir haben ein begrenztes Zeitfenster, um es aufzuhalten. Weit über 40 Prozent der gesamten Fälle sind in den vergangenen 18 Tagen aufgetreten. Unsere Botschaft ist angekommen, und unsere Bürger melden sich oder bringen ihre Angehörigen. Aber unsere Behandlungszentren sind überfordert. MSF leitet nun eine 160-Betten-Einrichtung, die weiter expandieren wird.
Dies ist die größte Ebola-Behandlungseinrichtung in der Geschichte der Seuche, und selbst sie ist unzureichend. Um die Übertragungskette zu brechen, müssen wir die Kranken von ihren Familien und Gemeinschaft isolieren, aber das ist unmöglich, weil sie nirgendwo hingebracht werden können. Wir sind gezwungen worden, Kranke abzuweisen. Wir schicken sie nach Hause, wo sie ein Risiko für ihre Familien und Gemeinschaften darstellen. Ich bin ehrlich mit Ihnen wenn ich sage, dass in diesem Tempo wir die Übertragungskette nie brechen werden und der Virus uns überwältigen wird. (Q: taz)

Das Schreiben ist datiert auf den 9. September. Bei Bekanntwerden gestern war das Schreiben bereits eine Woche im Posteingang der Kanzlerin. Einer (sic!) der Pressesprecher musste nun gestern einräumen, das dieser Hilferuf bekannt sei. Und man “in wenigen Tagen antworten werde”. Und man bereits 2,7 Millionen Euro bereitgestellt habe.

Das er erst notgedrungen reagiert, nachdem Merkel ertappt wurde, ist schon eine Frechheit. Das bei den vielen Toten täglich noch um einige Tage Geduld gebeten wird ist zynisch. Und deshalb, eine ebenso zynische wie menschenverachtende Kalkulation auf Basis des reinen Zahlwerts, mit die Bundeskanzlerin den Pressesprecher der Bundesregierung die Hauptstadt Presse abwimmeln lies: Merkel glaubt Deutschland mit 1125 Euro pro Kopf aus der Pflicht nehmen zu können. Das sind jene 2.700.000 Euro, die sich die Bundesregierung ohnehin verpflichtete zu helfen, dividiert durch die bisherige Zahl der Opfer. Merkel, das ist sogar für ihre Verhältnisse geschmacklos!

Die Tropeninstitute sitzen hier. Die Pharmakonzerne sitzen hier. Deutschland beutet insbesondere die westafrikanischen Länder seit einem Jahrhundert aus.2

Der Ukraine werden sofort Milliarden insbesondere für Rüstungshilfe und Mauerbau zur Verfügung gestellt. Liberia muss, Stand heute, sieben Tage warten um einen Notruf beantwortet und 1125 Euro pro Todesopfer angewiesen zu bekommen?

Liebe Frau Merkel, sie sind eine humanitäre Katastrophe.

Update (30. September): Nur zwei Wochen später mahnt Merkel schnelle Hilfe an. Das zeigt: Egal was die Kanzlerin macht, die Presse macht eine positive Schlagzeile daraus. They put egal in Angela.

  1. Natürlich werden unsere beherzt bohren den Boulevardblätter mit dem Dauerfeuer von Interviews auch für ein verwertbares Zitat gesorgt haben, indem sie einfachr lang genug fragten, dennoch sind die Wissenschaftler dort sicherlich mit derartigen Druck vertraut,  geschult und als von der Bundesregierung beauftragt auch gar nicht befugt solche Horrorszenarien in die Welt zu setzen. Aber im Zweifel, das sagt die Erfahrung, erfinden die einfach etwas. []
  2. Stichwort Anfang des ersten Weltkrieg Jahr sich dies Jahr zum 100. Mal. []

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Die Wahrheit von Xavier Naidoo

In den ersten Worten von Die Wahrheit setzt sich Xavier Naidoo von jedwedem rechten Gedankengut allein durch Bekenntnis seiner Herkunft ab. Und bekennt das er »Kanacke in Deutschland« eines allem voran gelernt habe: Ordnung sei der Deutschen höchstes Gut.

Der Rest des Videos ist eine Metapher: weiße Buchstaben auf schwarzem Grund. Im Volksmund ist »Schwarz auf Weiß« Inbegriff verschriftlichter Wahrheit. Den Songtext von Die Wahrheit hat Xavier Naidoo aber möglicherweise ganz bewusst weiß auf schwarzem Grund setzen lassen. Doch seht selbst.

Es ist eine musikalisch vorgetragene Kritik unter anderem an Georg Diez, der Xavier Naidoo wegen seines Auftritts auf einer Montagsdemo über Spiegel Online in die Ecke der Neuen Rechten stellen wollte.

An einem Freitag hatte der Mannheimer Freigeist Xavier Naidoo von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht und von der Bühne herunter die These vertreten, Deutschland sei ein besetztes Land.

Und so ganz Unrecht hat er damit nicht: Das amerikanische Administration, Geheimdienste und Streitkräfte hierzulande von ihrem Status, den sie auf hiesigem Grund genießen, sattsam Gebrauch machen wissen wir dank der Enthüllungen von Edward Snowden, ist keine Neuigkeit: Aus Botschaften und Konsulaten und von Truppenstandorten werden deutsche Grundrechte gebrochen. Das ist nicht seine oder rechte These, sondern war Titelgeschichte des Spiegel1. Hierfür ernten die USA nicht einmal substanziellen Widerspruch von der Kanzlerin oder dem Bundespräsidenten, die er dafür im neuen Song angreift.

Der einzige Artikel, der sich allerdings mit einer Interpretation des rechtlichen Status der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzt, orientiert sich daran das Deutschland »kein besetztes Land (sei) obwohl über dem Zwei-plus-Vier-Vertrag nicht in Buntstift „Friedensvertrag“ drüber steht« (Q: VICE), und ergeht sich sogleich in persönlichen Angriffen.

So weit, sich inhaltlich mit dem Thema auseinander setzen, gehen die beiden folgenden Kritiken nicht. Obwohl sie sich teils sogar sowas wie anstrengen. Die, die nun zum zweiten Hieb gegen den Musiker ansetzen, haben die Liebe zur Wahrheit offenbar ebenso wenig wie Georg Diez. Sie schreiben stattdessen offensichtlich mit Schaum vor dem Munde gleich mehrere Schmähschriften in unterschiedlichen Publikationen. Man gewinnt den Eindruck, die Kritik an dem Stück »Die Wahrheit/« im Speziellen und Xavier Naidoo im Allgemeinen geschieht wohl orchestriert, dieses Mal nicht vom Spiegel, sondern es sekundieren bezahlte Schreiber von Angela Merkels Busenfreundin Friede Springer.

  • »Im Song (…) ärgert sich (Naidoo), zu jung zu sein, um sich selbst noch “Reichsbürger” nennen zu dürfen.« (O-Ton: Musikexpress2) wird da wahrheitswidrig behauptet, indem man anstatt dem Text zu folgen aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. Vielmehr macht sich Xavier Naidoo in Die Wahrheit über die These von Georg Diez lustig, weil er viel zu jung sei um “Reichsbürger” zu sein.
  • Im deutschen Rolling Stone, der nicht mit dem gleichnamigen amerikanischen Musikmagazin verwechselt werden sollte, wird der Song als Zusammenstellung aus »Gemeinplatz« und »Stilblüten«, kurzum zum »Schmarrn« deklassiert. Das reine Onlinemagazin bezeichnet Xavier Naidoo als zum »Populist« und »eine Art Gotteskrieger« geratenen »Schmusebarden«3

Nun sollte man wissen: Musikexpress und (deutscher) Rolling Stone sind nicht nur Produkte des Axel Springer Verlag, beide Redaktionen sitzen im selben Mediahouse in Berlin und teilen sich sogar die Telefondurchwahl. Es ist erstaunlich bis bemerkenswert, das der selbe Verlag zwei seiner Musikmagazin Texte veröffentlichen lässt, die in erster Linie auf persönlicher Ebene auf politischen Thesen los gehen. Noch dazu wenn das damit einher geht das sich leicht zu beeindruckende Leser, die sich nicht für Politik interessieren, von den vermeintlich kruden Thesen abgestoßen fühlen; entweder weil sie sich überhaupt nicht für Politik interessieren oder eben des vernichtenden Vorurteils einer Musikredaktion wegen. Man könnte auch sagen, das Fabien Soethof vom Musikexpress, “RS” alias Rolling Stone und allen voran Georg Diez vom Spiegel darum bemüht sind dem Sänger langfristig seine wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, indem sie seinen Erfolg schmälern, indem sie seine so genannte Fanbase reduzieren. Und auch das wäre selbst disqualifizierend, denn ungeachtet der geringen Auflage des Musikexpress und des Rolling Stone abgesehen schart Spiegel Online gerade einmal halb so viel “Fans” um sich wie der Solokünstler Xavier Naidoo. Es könnte auch ein Schwanzvergleich sein, der hier vollzogen wird. Das noch niedrigere Nivau, nämlich das persönlicher Angriffe, deuten aber auf anderes hin.

Es ist der selbe ehrverletzende Duktus, den Georg Diez vor Wochen im Spiegel an den Tag gelegt hatte. Und es ist nicht nur jener Stil, der die Vermutung nah legt, das die jüngsten Personalwechsel vom Axel Springer Verlag hin an die Spitze des Spiegel mehr sind als Personalfluktuation zweier Medienmarken. Es wirkt als soll der altehrwürdige Spiegel, eines der ersten lizenzierten journalistischen Veröffentlichungen im Nachkriegsdeutschland zum Spiegelbild der schlichtesten publizistischen Veröffentlichung der Nachkriegsgeschichte werden.

Es muss was dran sein, an der den ach so kruden Thesen. Wenn die Kanzlerin ihre verkrustete Busenfreundin dazu animiert, ihre Organe gegen einen zum Klingen zu bringen, dessen Job es in erster Linie ist seine Stimme dazu zu bringen muss was dran sein.

  1. Nr. 25 vom 16.06. diesen Jahres []
  2. Musikexpress, gehört zu welt.de/Axel Springer Verlag []
  3. rollinstone.de, gehört ebenfalls zu welt.de/Axel Springer Verlag []

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Ana Ivanovic, Schweinsteigers neue Freundin?

Bastian Schweinsteiger dürfte es sportlich nehmen: Ana Ivanovic ist derzeit gefragter als der Fussballweltmeister, Bayern-Star, die #1 der Nationalelf. Dabei versteigen sich die Boulevardblätter in ein Gerücht, nämlich das Tennisstar Ana Ivanovic Bastian Schweinsteigers neue Freundin sei. Doch nach unwidersprochener Selbstdarstellung der drei, ist er noch und seit 2007 mit dem Model Sarah Brandner liiert.

  • Bastian Schweinsteiger: Was läuft da mit Ana Ivanovic?
  • Tennisspielerin auf Instagram: So schön ist Ana Ivanovic!
  • Ana Ivanovic und Bastian Schweinsteiger wurden händchenhaltend in New York erwischt.
  • Vorsicht Schweini: Auf Ivanovics Ex-Freunden liegt ein Fluch
  • Schweinsteiger turtelt mit Ana Ivanovic
  • Bastian Schweinsteiger: Gerüchte über Liason mit Ana Ivanovic
  • Für Schweini? Ana Ivanovic kickt in ihrer Freizeit
  • Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanovic: Facebook: So reagiert das Netz
  • Elegant & sportlich: So wandelbar ist Ana Ivanovic
  • Wirbel um Ana Ivanovic

Nochmal: Das die beiden ein Paar seien ist nicht bestätigt, was die beiden privat machen hat niemand zu interessieren. Dennoch füllt die soeben begonnene Story die schon hunderte Artikel, ausweislich der Ergebnisse von Google News. Dabei ist alles, von reiner Fleischbeschau bis zu kritisch-distanzierter Berichterstattung. Dabei schrecken die Boulevardmedien nicht davor zurück ihre dünne Faktenlage sogar mit Aberglauben (»Auf Ivanovics Ex-Freunden liegt ein Fluch«) oder ihre Leserschaft um eine Einschätzung zu bemühen (»So reagiert das Netz«). Nur eben keinen der drei Beteiligten. Nicht Bastian Schweinsteiger auf seinem knapp 8 Millionen Fans starken Facebook Profil, und vermutlich ebenso wenig Sarah Brandner oder Ana Ivanovic. Letzter darf sich wahrscheinlich darüber wundern, dass die Massenmedien ihr persönliches Bildmaterial verwenden. Eben weil sie können. Oder weil sie glauben es zu dürfen. Und warum fragen sie nicht, weder nach den Bildrechten, noch nach dem Beziehungsstatus von Bastian Schweinstieger? Weil es sie eben nichts angeht. Und weil die schon erwähnte Millionenauflage sofort die popeligen Nischenblättchen aus dem journalistischen Schmuddelecke als solche outen würde.

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Nebenverdienstnachweis

Eben erfahren: In der FAZ erfährt man anschaulich, welche Fraktion(äre) wie viel nebenher verdienen. Ein weiteres zukunftsweisende Projekt in Sachen Datenjournalismus. Leider, wie so oft, etwas spät. Ich brauche niemanden an die letztjährige Kampagne gegen Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) zu erinnern, der zuletzt seine gesamten Einnahmen offen legte. Die beiden Boulevardblättchen von Friede Springer, Busenfreundin von Kanzlerin Angela Merkel, hatten über ein halbes Jahr hinweg Demontage des konkurrierenden Kanzlerkandidaten betrieben und auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung machte damals mit. Das sie das Thema retrospekti halbwegs wertneutral aufbereitet darstellt ist der zweite große Skandal der jüngeren politischen Berichterstattung, die wenig später als Papageienjournalismus klassifziert wurde: Volker Zastrow hat stellvertretend und dessen Ehre zu retten versuchend ein Buch namens Die phantastischen Vier veröffentlicht, lang nachdem die Jagd auf Andrea Ypsilanti beendet und ihre Chance erste hessische Ministerpräsidentin zu werden begraben wurden. Treppenwitz der Geschichte: Peer Steinbrück war einer der härtesten Kritiker der damaligen Rot-Rot-Grünen Planspiele, sein Zitat von “Pech und Schwefel” blieb unvergessen. Und gerade das sollte einem vor Augen führen: Vor den bezahlten Kritikern ist kein Genosse sicher. Und umso ernüchternder der Fakt: Die lukrativsten Nebentätigkeiten haben Christdemokraten und Christsoziale, und zwar mit großem Abstand; denn allein im ersten Halbjahr war einer allein schon Nebeneinkommensmillionär. Das bezahlte Nebentätigkeit Betrug am Wähler sind sollte angesichts solcher Summen nicht verwundern.

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